Lektion 13: Einmal erklären, immer verstehen
Die tägliche Frust-Schleife
Kennst du das? Du öffnest einen neuen Chat und fängst wieder an: „Ich antworte lieber auf Deutsch, kurze Antworten bitte, kein Fachkauderwelsch…“ Drei Sätze Kontext, jedes Mal aufs Neue.
Das ist so, als müsstest du jeden Montagmorgen deinem Bürokollegen erklären, wer du bist und wie du arbeitest.
Es gibt eine einfachere Lösung.
Custom Instructions: Einmal einrichten, dauerhaft profitieren
Custom Instructions, auf Deutsch: benutzerdefinierte Anweisungen, sind Texte, die du einem KI-Chat einmalig hinterlegst. Sie werden dann bei jedem Gespräch automatisch im Hintergrund mitgeschickt. Der Chat „kennt“ dich von Anfang an, ohne dass du es erklären musst.
Technisch gesehen werden deine Custom Instructions dem sogenannten System Prompt hinzugefügt. Ein System Prompt ist eine versteckte Vorabnachricht, die das Modell liest, bevor du überhaupt getippt hast, wie ein Briefing, das schon auf dem Tisch liegt, bevor das Gespräch beginnt. Du siehst ihn nicht im Chat, aber er ist der erste Satz, den die KI „liest“.
Was du dort sinnvoll hinterlegst:
- Sprache und Stil: „Antworte immer auf Deutsch, kurz und direkt.“
- Dein Hintergrund: „Ich bin kein Techniker, erkläre Fachbegriffe bitte immer kurz.“
- Format-Vorlieben: „Keine langen Aufzählungen, wenn ein Satz reicht.“
- Deine Erwartung an Ehrlichkeit: „Wenn du unsicher bist, sag es klar.“
Was du dort NICHT hineinschreibst: Passwörter, Anmeldedaten oder streng vertrauliche Informationen. Custom Instructions liegen auf den Servern des Anbieters. Mehr dazu in Modul 7 (Sicherer Umgang mit KI).
Projekte: Kontext für unterschiedliche Lebensbereiche
Custom Instructions gelten oft global, für alle deine Gespräche. Was aber, wenn du für verschiedene Aufgabenbereiche verschiedene „Versionen“ deines Assistenten brauchst?
Hier kommen Projekte ins Spiel. Sowohl Claude als auch ChatGPT bieten Projekte (Projects) an, abgegrenzte Arbeitsbereiche, in denen du:
- Projektspezifische Anweisungen hinterlegen kannst (z. B. „In diesem Projekt helfe ich beim Schreiben von Vereinsprotokollen im Stil unserer bisherigen Dokumente.“)
- Eigene Dateien hochladen kannst, der Chat „kennt“ dann dein Handbuch, deinen Vertrag, deine Unterlagen, ohne dass du sie immer wieder neu einfügen musst
- Alle dazugehörigen Gespräche gebündelt an einem Ort speicherst
Ein Alltagsbeispiel: Du legst ein Projekt „Mein Garten 2026“ an. Du lädst dort ein Bild vom Pflanzplan des letzten Jahres und ein PDF mit Sorteninfos hoch. Als Anweisung schreibst du: „Ich bin Hobbygärtner in Österreich, antworte klimabezogen.“ Ab dann fragst du einfach: „Wann soll ich Tomaten einpflanzen?“, ohne jeden Kontext nochmal zu erklären.
Das Prinzip dahinter gibt es auch bei Google: Gemini Gems nennt Google vorkonfigurierte Assistenten mit einer festen Aufgabe, z. B. ein „Schreibcoach“ oder ein „Reiseplaner“. Auch Gems laufen im Hintergrund über einen vorbereiteten System Prompt.
Der technische Hintergrund, warum das funktioniert
Wenn du eine Nachricht schickst, „sieht“ das Modell alles auf einmal: Custom Instructions + Projektanweisungen + hochgeladene Dateien + deine Frage. Das alles zusammen nennt sich das Kontextfenster (Context Window), der Bereich, den ein Modell in einem einzigen Verarbeitungsschritt im Blick hat. Wie ein Schreibtisch mit allen relevanten Unterlagen, bevor du eine Entscheidung triffst.
Indem du Custom Instructions einrichtest, legst du die wichtigsten Unterlagen schon vor dem Gespräch auf diesen Tisch. Jedes neue Gespräch startet dadurch sofort auf einem höheren Niveau.
Wichtige Einschränkung: Das Kontextfenster hat eine Grenze. Bei Projekten mit vielen großen Dateien kann das Modell ältere Teile weniger stark gewichten. Halte deine Custom Instructions daher kurz und präzise, ein klares, kompaktes Briefing wirkt besser als eine seitenlange Beschreibung.
Kurzvergleich der Funktionen
| Funktion | Claude Projects | ChatGPT Projects | Gemini Gems |
|---|---|---|---|
| Projektanweisungen | |||
| Eigene Dateien hochladen | Eingeschränkt | ||
| Gespräche im Projekt speichern | |||
| Kostenlos nutzbar | Eingeschränkt | Eingeschränkt | Eingeschränkt |
Alle großen Anbieter haben heute eine Version dieser Funktion. Wer sie nutzt, hat im Alltag einen klaren Vorsprung gegenüber jemandem, der bei jedem Chat neu von Null anfängt.
Praxisaufgabe des Tages (ca. 10-15 min)
Heute richtest du deine ersten eigenen Custom Instructions ein.
Schritt 1: Öffne einen KI-Chat deiner Wahl (Claude oder ChatGPT empfohlen).
Schritt 2: Navigiere zu den Custom Instructions:
- Claude: Linke Seitenleiste → „Neues Projekt“ erstellen; oder Einstellungen → „Custom Instructions“
- ChatGPT: Profilbild oben rechts → „Benutzerdefinierte Anweisungen“
Schritt 3: Formuliere deine persönlichen Anweisungen. Hier ist ein Startpunkt zum Kopieren und Anpassen:
Ich bin ein deutschsprachiger Nutzer. Antworte mir immer auf Deutsch,
außer ich bitte ausdrücklich um eine andere Sprache.
Ich bevorzuge kurze, direkte Antworten. Wenn ich mehr Details will,
frage ich nach.
Erkläre Fachbegriffe kurz in Klammern, ich bin kein Experte.
Wenn du bei einer Aussage unsicher bist, sag es direkt.
Schritt 4: Starte ein neues Gespräch. Stelle eine einfache Frage auf Englisch, z. B. „What is the capital of Austria?“, und beobachte: Antwortet der Chat dir automatisch auf Deutsch?
Woran du merkst, dass du es verstanden hast: Du weißt, wo die Custom Instructions in deinem bevorzugten Tool zu finden sind, und kannst in einem Satz erklären, warum sie „unsichtbar“ vor deiner eigentlichen Frage wirken.
KI-News zum Lernen
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Anthropic sperrt seine besten Modelle für Nutzer außerhalb der USA, Was ist passiert: Laut einem Bericht vom deutschen Tag der Industrie (Juni 2026) hat die US-Regierung angeordnet, dass Zugang zu den leistungsstärksten Anthropic-Modellen vorerst auf US-Bürger beschränkt wird. Anthropic sperrte diese Modelle daraufhin weltweit. Warum interessant: Das zeigt ein wichtiges Konzept für alle, die KI-Tools im Alltag nutzen, Technologische Abhängigkeit (Tech Dependency): Wenn ein US-Unternehmen auf Regierungsanweisung den Zugang sperrt, kann ein Tool, auf das sich Millionen Nutzer verlassen, von einem Tag auf den anderen nicht mehr verfügbar sein. Das ist ein starkes Argument dafür, nie nur auf ein einziges KI-Tool zu setzen, und ein Treiber für europäische KI-Eigenentwicklungen. Quelle
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Claude wächst am schnellsten, ChatGPT dominiert noch, Was ist passiert: Laut einer aktuellen Marktanalyse hält ChatGPT mit 54,7 % den größten Anteil am weltweiten KI-Chatbot-Traffic, Gemini von Google folgt mit 27,4 %, Claude von Anthropic liegt bei 8,2 %, ist aber mit rund 306 % Wachstum in einem Quartal der am schnellsten wachsende große Anbieter. Warum interessant: Das zeigt Marktdynamik in einem jungen Markt: Ein hohes Wachstumsprozent aus kleiner Basis bedeutet noch keinen Gleichstand, aber die Richtung ist aussagekräftig. Für dich als Nutzer heißt das: Es lohnt sich, das „andere“ Tool gelegentlich auszuprobieren, denn die Qualitätsunterschiede verschieben sich schnell. Quelle
Glossar des Tages
- Custom Instructions, einmalig hinterlegte Anweisungen, die bei jedem KI-Gespräch automatisch im Hintergrund aktiv sind; machen den Chat persönlicher ohne wiederholten Aufwand
- System Prompt, versteckte Vorabnachricht an das Modell, die vor deiner eigentlichen Frage verarbeitet wird; Custom Instructions und Projektanweisungen werden hier eingebunden
- Projekte (Projects), abgegrenzte Arbeitsbereiche in KI-Chats, in denen du eigene Anweisungen und Dateien für einen bestimmten Zweck dauerhaft speicherst
- Kontextfenster (Context Window), der Bereich, den ein KI-Modell auf einmal „sieht“: Anweisungen + Dateien + Gesprächsverlauf + deine Frage, alles in einem Verarbeitungsschritt
- Tech Dependency (Technologische Abhängigkeit), das Risiko, das entsteht, wenn Nutzer oder Länder stark von KI-Anbietern abhängen, die unter der Kontrolle einer fremden Regierung stehen