Lektion 3: Was einen guten Prompt ausmacht
Warum “einfach drauflosfragen” oft scheitert
Wenn du zum ersten Mal mit einem KI-Chat arbeitest, ist die Versuchung groß: eine kurze Frage hineintippen und schauen, was kommt. Das funktioniert manchmal, aber oft bekommst du eine Antwort, die zu allgemein, zu lang, am Thema vorbei oder schlicht nicht nützlich ist. Woran liegt das?
Stell dir vor, du rufst einen hochkompetenten, aber völlig uninformierten Assistenten an und sagst nur: „Schreib mir was über Marketing.“ Der Assistent weiß nicht: Für wen? Wie lang? Welches Produkt? Welcher Ton? Blogartikel oder Präsentation? Er liefert trotzdem etwas, aber es trifft vermutlich nicht dein Ziel.
Genau das passiert bei einem schlechten Prompt, so heißt deine Eingabe an die KI. Das Modell füllt alle fehlenden Informationen mit statistisch plausiblen Annahmen auf, und die stimmen selten mit deinen Erwartungen überein.
Das 4-Elemente-Schema für gute Prompts
Ein einfaches Grundgerüst verbessert deine Prompts sofort. Es hat vier Bausteine:
1. Aufgabe, Was soll die KI konkret tun? Klare Verben helfen: Schreibe, Erkläre, Fasse zusammen, Erstelle eine Liste, Übersetze, Analysiere. Je konkreter die Aufgabe, desto besser die Antwort.
2. Kontext, Was muss die KI über deine Situation wissen? Das ist der häufigste Schwachpunkt in Anfänger-Prompts. Ohne Kontext rät die KI. Mit Kontext trifft sie. „Ich bin Anfänger“ oder „ich schreibe für Senioren“ oder „das ist für eine formelle Bewerbung“, solche Angaben verändern die Antwort dramatisch.
3. Format, Wie soll die Antwort aussehen? Stichwortliste, Fließtext, Tabelle, nummerierte Schritte, maximal 5 Sätze, auf Deutsch? Wenn du kein Format angibst, bekommst du meistens einen langen Fließtext, egal ob du eine Liste brauchst oder nicht.
4. Ton/Stil, Für wen ist es? Laie oder Fachpublikum? Formell oder locker? Motivierend oder sachlich nüchtern?
Nicht jeder Prompt braucht alle vier Elemente. Aber je bewusster du sie einsetzt, desto präziser trifft die KI dein Ziel.
Vorher / Nachher, Ein konkretes Beispiel
Schwacher Prompt:
„Erkläre mir Klimawandel.“
Was du bekommst: Eine mehrseitige, sehr allgemeine Erklärung, die du vermutlich schon kennst.
Verbesserter Prompt (mit allen 4 Elementen):
„Erkläre mir in maximal 5 Sätzen, wie der Treibhauseffekt funktioniert. Meine 10-jährige Nichte hat mich danach gefragt, schreib so, dass sie es versteht, ohne Fachvokabular.“
Was du bekommst: Eine kurze, kindgerechte Erklärung, die du direkt weiterverwenden kannst.
Beide Prompts fragen nach demselben Thema, aber der zweite liefert etwas Nützliches, weil er Aufgabe (Treibhauseffekt erklären), Kontext (für eine 10-Jährige), Format (maximal 5 Sätze) und Ton (kein Fachvokabular) kombiniert.
Die 4 häufigsten Anfängerfehler
Zu vage. „Hilf mir mit meiner E-Mail“, reicht nicht. Zeig die E-Mail, erkläre das Problem, sag, was du willst.
Zu unklar trotz Länge. Manchmal schreiben Einsteiger lange, verworrene Prompts und glauben, mehr sei besser. Besser: ein klares Ziel zuerst, dann Details.
Beim ersten Ergebnis aufgeben. Das ist der größte Fehler. Eine wirklich gute Antwort entsteht oft erst nach 2-3 Iterationen, das heißt, du verfeinerst den Prompt basierend auf der Antwort. „Das war gut, aber kürzer bitte“ oder „Fokussiere mehr auf die Kosten“ sind vollkommen normale Folge-Nachrichten. KI-Chat ist ein Dialog, kein Einmal-Befehl.
Kein Format angeben. Wenn du eine Liste brauchst: sag es. Wenn du eine Tabelle brauchst: sag es. Die KI rät sonst.
Ein erstes Wort zur Rollen-Technik
Eine besonders wirkungsvolle Technik heißt Rollen-Prompting (englisch: Role Prompting): Du weist der KI eine Rolle zu, bevor du deine eigentliche Frage stellst.
Beispiel: „Stell dir vor, du bist ein erfahrener Ernährungsberater. Ich frage dich als Patient…“
Das verändert Ton, Tiefe und Perspektive der Antwort spürbar. Warum? Weil das Modell in seinen Trainingsdaten Millionen Texte von echten Ernährungsberatern gesehen hat, und durch die Rollenzuweisung gezielt auf dieses Wissen zurückgreift. Dazu kommen wir in der nächsten Lektion ausführlicher.
Die Kernbotschaft des Tages: Die KI ist so gut wie der Prompt, den du ihr gibst. Investiere 30 Sekunden mehr in die Formulierung, und du bekommst eine Antwort, die zehnmal nützlicher ist.
Praxisaufgabe des Tages (ca. 10-15 min)
Du übst heute das Verbessern von Prompts direkt in einem KI-Chat deiner Wahl.
- Öffne einen KI-Chat.
- Schicke zuerst diesen schwachen Prompt und lies die Antwort aufmerksam:
Gib mir Tipps für gesundes Essen.
- Schreibe jetzt einen verbesserten Prompt mit dem 4-Elemente-Schema. Zum Beispiel:
Gib mir eine Liste mit 5 konkreten Tipps für gesünderes Essen im Alltag.
Ich bin berufstätig, habe wenig Zeit zum Kochen und esse mittags oft
außer Haus in der Stadt. Schreib knapp und praktisch, keine langen
Erklärungen, nur umsetzbare Tipps.
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Vergleiche beide Antworten: Was hat sich verändert? Wie viel konkreter ist die zweite?
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Bonus-Runde, verfeinere mit einer Folge-Nachricht:
Gut! Jetzt formuliere Tipp 2 und 3 konkreter, was genau kann ich in einer Mittagspause in der Stadt essen?
Woran du merkst, dass du es verstanden hast: Du siehst deutlich, wie sehr die zweite Antwort auf deine Situation zugeschnitten ist, und du hast keine Scheu, mit Folge-Nachrichten weiter zu verfeinern, statt die erste Antwort einfach hinzunehmen.
KI-News zum Lernen
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Claude verdreifacht seinen Marktanteil, Wettbewerb der KI-Chats zieht an, Aktuelle Daten aus dem Juni 2026 zeigen deutliche Verschiebungen: ChatGPT fiel von über 76 % auf rund 52 % aller weltweiten KI-Chat-Besuche. Claude stieg von 1,6 % auf 8,9 %, Google Gemini wuchs auf 27,3 %. Warum lehrreich? Weil es zeigt, dass der KI-Markt kein Monopol ist. Mehrere starke Anbieter konkurrieren aktiv, und jedes Modell hat eigene Stärken. In Modul 4 schauen wir uns die Unterschiede im Detail an. Quelle: ppc.land
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EU-KI-Verordnung tritt vollständig in Kraft, Ab 2. August 2026 gelten in der EU die Kernpflichten des EU AI Act (EU-KI-Verordnung) für sogenannte Hochrisiko-KI-Systeme, also KI, die in Bereichen wie Bildung, Personal, Kredite oder Infrastruktur eingesetzt wird. Anbieter müssen dann Risikobewertungen durchführen und offenlegen, wann KI für wichtige Entscheidungen verwendet wird. Was das für dich bedeutet: Als Nutzer bekommst du mehr Rechte, zu erfahren, wann eine KI über dich entscheidet. Mehr dazu in Modul 7 (Sicherer Umgang mit KI). Quelle: marketingprofs.com
Glossar des Tages
- Prompt, Deine Eingabe an die KI; die Nachricht, die du in den Chat tippst
- Iteration, Schritt-für-Schritt-Verbesserung: du verfeinerst die Antwort durch Folge-Nachrichten, statt beim ersten Ergebnis aufzugeben
- Kontext, Zusatzinformationen im Prompt, die der KI helfen, deine Situation zu verstehen
- Rollen-Prompting, Technik, bei der du der KI eine bestimmte Rolle zuweist (z. B. „Du bist ein erfahrener Arzt…“), um Ton und Tiefe der Antwort zu steuern
- EU AI Act, Europäische KI-Verordnung, die Transparenz- und Sicherheitspflichten für KI-Systeme festlegt, insbesondere wenn KI wichtige Entscheidungen trifft