Lektion 11: Plan-Mode in Claude Code
Was Claude Code normalerweise macht
Claude Code ist von Natur aus handlungsorientiert: Du gibst eine Aufgabe, Claude analysiert deinen Code, liest Dateien, schreibt Änderungen und führt Befehle aus, oft in Sekunden. Für viele Aufgaben ist das ideal. Manchmal möchtest du aber zuerst wissen, was Claude vorhat, bevor es loslegt.
Genau dafür gibt es den Plan-Mode (den Planungsmodus): Claude liest und analysiert, erstellt aber keinen Code und führt keine Befehle aus. Das Ergebnis ist ein strukturierter Plan, den du prüfen, kommentieren und freigeben kannst, bevor die eigentliche Arbeit beginnt.
Plan-Mode aktivieren: drei Wege
Weg 1, Natürliche Sprache im REPL
Der einfachste Weg: Du bittest Claude explizit, zuerst zu planen. Das REPL (Read-Eval-Print Loop, die interaktive Kommandozeile, die du mit claude startest) nimmt solche Anweisungen direkt entgegen:
Bevor du irgendetwas änderst: Beschreibe Schritt für Schritt, was du tun möchtest.
Warte auf meine Bestätigung, bevor du startest.
Claude gibt seinen Plan als Text aus und pausiert. Du antwortest mit „OK, mach weiter“, „Ändere Schritt 3“ oder „Überspringe Schritt 2“, und erst dann wird ausgeführt.
Weg 2, Der /plan-Slash-Command
Im REPL gibt es den Slash-Command /plan (ein Befehl, der mit / beginnt und das Verhalten von Claude Code steuert, ohne selbst eine inhaltliche Aufgabe zu sein). Wenn du eine Aufgabe mit /plan einleitest, wechselt Claude Code in den Planungsmodus:
/plan Refaktoriere alle API-Aufrufe in src/api/ auf async/await
Claude analysiert die relevanten Dateien und gibt einen Plan aus, ohne eine einzige Änderung vorzunehmen. Die Ausführung beginnt erst, wenn du sie explizit freigibst.
Weg 3, Dauerhafte Regel in der CLAUDE.md
Die CLAUDE.md ist eine Markdown-Datei im Projektstamm, die Claude Code bei jedem Start automatisch liest und die projektspezifische Regeln enthält. Wenn du für ein Projekt grundsätzlich erst einen Plan sehen willst, legst du das dort fest:
## Arbeitsweise
Für alle Änderungen, die mehr als 3 Dateien betreffen:
1. Erstelle zuerst einen vollständigen Plan: betroffene Dateien und Schritte in Reihenfolge.
2. Warte auf explizite Bestätigung, bevor du mit der Ausführung beginnst.
So musst du den Hinweis nicht bei jeder Aufgabe wiederholen, Claude liest die Regel beim Start und folgt ihr automatisch.
Was ein guter Plan enthalten sollte
Wenn du Claude nach einem Plan bittest, prüfe, ob er folgende Punkte abdeckt, bei Lücken kannst du direkt nachfragen:
- Welche Dateien werden gelesen und welche werden geändert?
- Welche Schritte werden in welcher Reihenfolge ausgeführt?
- Welche Annahmen macht Claude (z. B. „Ich gehe von Node.js 20 aus“)?
- Was wird explizit nicht gemacht (z. B. „Tests passe ich nicht an“)?
- Wo liegt das größte Risiko (z. B. „Schritt 3 ändert das Datenbankschema“)?
Ein guter Einstiegs-Prompt, der all das einfordert:
/plan Migriere das Auth-Modul von JWT auf Session-basierte Authentifizierung.
Randbedingung: Wir haben produktive Nutzer, keine Breaking Changes in der API.
Nenne zuerst alle Dateien, die du ändern wirst, dann die Schritte in Reihenfolge.
Markiere, welche Schritte das höchste Risiko tragen.
Den Plan iterieren
Der Plan ist keine Einbahnstraße. Du kannst ihn anpassen, bevor Claude auch nur eine Datei öffnet:
Schritt 2 ist falsch, die Datei heißt nicht auth.js sondern auth.service.ts.
Lass außerdem Schritt 4 weg, die Tests passen wir separat an.
Überarbeiteten Plan bitte kurz zusammenfassen, dann starte mit Schritt 1.
Das ist der Kernvorteil: Fehler werden erkannt, bevor sie in der Codebasis landen.
Ein weiteres nützliches Muster ist das schrittweise Freigeben: Claude führt Schritt 1 aus, pausiert, du prüfst das Ergebnis, gibst Schritt 2 frei und so weiter. Das erreichst du mit einer einfachen Anweisung am Anfang:
Führe die Schritte einzeln aus und halte nach jedem an. Ich gebe den jeweils nächsten Schritt frei.
Wann Plan-Mode besonders wertvoll ist
Unbekannte Codebasis: Du arbeitest in einem fremden Projekt oder hast das Repo seit Wochen nicht angefasst. Ein Plan zeigt dir, ob Claude die Struktur richtig verstanden hat, bevor Missverständnisse zu falschen Änderungen führen.
Größere Refactorings: Wenn mehr als fünf Dateien betroffen sind, lohnt ein Plan fast immer. Claude könnte sonst Abhängigkeiten übersehen oder Schritte in falscher Reihenfolge ausführen.
Risikobehaftete Änderungen: Datenbankmigrationen, Änderungen an geteilten Interfaces, Deployment-Skripte, alles, wo ein Fehler schwer rückgängig zu machen ist.
Zum Lernen: Wenn du verstehen willst, wie Claude eine bestimmte Aufgabe angeht, ist Plan-Mode wie ein Blick hinter die Kulissen, du siehst den Lösungsansatz, bevor er umgesetzt wird.
Was Plan-Mode nicht löst
Plan-Mode hilft bei der Struktur der Lösung. Er schützt nicht vor inhaltlichen Fehlern: Claude kann einen korrekt aufgebauten Plan liefern, der auf falschen Annahmen basiert. Deshalb gilt: Plan lesen und inhaltlich prüfen, nicht nur bestätigen. Je besser dein Einstiegs-Prompt (Kontext, Einschränkungen, Risiken), desto zuverlässiger der Plan.
Selbst ausprobieren (ca. 10-15 min)
Nimm ein Projekt deiner Wahl, ein eigenes Repository oder ein öffentliches Beispielprojekt, und führe folgende Übung durch:
-
Starte Claude Code im Projektverzeichnis:
claude -
Gib die folgende Aufgabe mit explizitem Plan-Hinweis ein, ersetze
fetchDatadurch eine Funktion, die in deinem Projekt an mehreren Stellen vorkommt:Benenne die Funktion `fetchData` in `loadRemoteData` um, in allen Dateien, wo sie verwendet wird. Erstelle zuerst einen Plan: - Welche Dateien sind betroffen? - In welcher Reihenfolge gehst du vor? Warte auf meine Freigabe, bevor du beginnst. -
Lies den Plan sorgfältig:
- Stimmen alle Dateien? Fehlt eine?
- Gibt es eine Datei, die du lieber manuell anpassen möchtest?
-
Gib gezieltes Feedback:
Datei tests/helpers.test.ts lass bitte weg, die passe ich selbst an. Alles andere: starte mit Schritt 1.
Woran du Erfolg erkennst: Du weißt vor der ersten Änderung genau, welche Dateien betroffen sind. Claude hält sich an den Ablauf, den ihr gemeinsam festgelegt habt, und du hast keine unerwarteten Änderungen in Dateien, die du nicht auf dem Schirm hattest.
Neu bei Claude
- Subagenten laufen jetzt standardmäßig im Hintergrund, Was ist neu: Subagenten (eigenständige Claude-Instanzen, die für Teilaufgaben gestartet werden) laufen in Claude Code jetzt im Hintergrund. Claude wird automatisch benachrichtigt, wenn sie fertig sind, und arbeitet in der Zwischenzeit an anderen Dingen weiter. Was bringt es dir: Komplexe Aufgaben mit mehreren parallelen Teilschritten werden deutlich schneller abgeschlossen, Claude wartet nicht mehr passiv auf jeden Subagenten. Quelle
Glossar
- Plan-Mode, ein Modus in Claude Code, in dem Claude die Aufgabe analysiert und einen Aktionsplan ausgibt, ohne Dateien zu ändern oder Befehle auszuführen; aktivierbar per natürlicher Sprache oder
/plan - REPL, Read-Eval-Print Loop; die interaktive Kommandozeile, die du mit
claudestartest; hier gibst du Aufgaben ein und interagierst in Echtzeit mit Claude Code - Slash-Command, ein Steuerbefehl im REPL, der mit
/beginnt (z. B./plan,/help); er ändert das Verhalten von Claude Code, ohne selbst eine inhaltliche Aufgabe zu formulieren - CLAUDE.md, eine Markdown-Datei im Projektstamm, die Claude Code bei jedem Start automatisch liest; enthält projektspezifische Anweisungen, Regeln und dauerhaften Kontext
- Subagent, eine eigenständige Claude-Instanz, die Claude Code für eine Teilaufgabe startet; sie kann parallel zur Hauptinstanz arbeiten und Ergebnisse zurückmelden
